Karies und Füllungstherapie

Die Qual der Wahl – Welches Material ist das richtige für mich?

Für definitive Füllungen stehen verschiedene zahnfarbene und metallische Materialien zur Verfügung. Entscheidend für die Auswahl des Füllungsmaterials sind neben den eigenen Ansprüchen an Haltbarkeit, Kosten, Zeitaufwand und Ästhetik, die Lage und Größe des Defektes, sowie individuelle Faktoren, wie z.B. eine bestehende Schwangerschaft, der allgemeiner Gesundheitszustand, und eventuelle Allergien.

Im sichtbaren Bereich der Frontzähne und für Zahnhälse wird in der Regel zahnfarbenes Komposit verwendet. Moderne, weiterentwickelte Materialen ermöglichen heute vielfach auch ästhetische Füllungen im kaubelasteten Seitenzahnbereich unter größtmöglicher Substanzschonung zu einem günstigen Preis.

Anderen Füllungsmaterialien können derzeit nur provisorisch oder in Ausnahmefällen verwendet werden, da deren Haltbarkeit eingeschränkt ist.

Amalgam

Vorteil:

  • kostengünstig
  • seit über 150 Jahren bewährt
  • antibakterielle Wirkung

Nachteil:

  • Ästhetik nachteilig
  • hoher Zahnhartsubstanzverlust nötig, da rein retentive Verankerung
  • kein „Klebeverbund“ mit dem Zahn
  • trägt nicht zur Stabilisierung des Zahnes bei
  • geringe Quecksilberbelastung, besonders beim Einbringen und Entfernen
  • ältere Füllungen können den Zahn grau färben
  • frühestens nach 2h belastbar
  • nicht für ausgedehnte Defekte
Komposit (Kunststoff)

Vorteil:

  • zahnfarben
  • maximale Schonung der Zahnhartsubstanz
  • auch für größere Defekte
  • stabilisierender „Klebeverbund“ mit dem Zahn
  • relativ kostengünstig (mit Zuzahlung)
  • sofort belastbar

Nachteil:

  • komplizierte Verarbeitung
  • nicht für ausgedehnte Defekte im Seitenzahnbereich
  • nicht antibakteriell
Einlagefüllung aus Goldlegierung

Vorteil:

  • höchste Haltbarkeit
  • sehr gute Randpassung

Nachteil:

  • nicht zahnfarben
  • stabilisiert den Zahn nicht
  • hoher Aufwand
  • höhere Kosten als Amalgam / Komposit-Füllung
Einlagefüllung aus Keramik

Vorteil:

  • gute bis sehr gute Ästhetik
  • hohe Haltbarkeit
  • stabilisierender „Klebeverbund“ mit dem Zahn
  • auch für ausgedehnte Defekte
  • keine erhöhte Abnutzung der Gegenzähne (annähern gleiche Härte wie natürliche Zähne durch den Einsatz moderner Keramiken)

Nachteil:

  • hoher Aufwand und komplizierte Verarbeitung
  • höhere Kosten als Amalgam / Komposit-Füllung
  • nicht geeignet für kleine Defekte
Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Das Risiko von Nebenwirkungen ist bei sachgerechter Anwendung und Verarbeitung gering. Selten treten Überempfindlichkeiten gegen Amalgam- oder Kompositbestandteile auf. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch Edelmetall-, Amalgam-, Kunststoff- oder Keramikrestaurationen ist wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht.

Unter den Belastungen im Mund werden aus allen Füllungsmaterialien Substanzen in kleinsten Mengen freigesetzt.

  • Goldgußlegierungen enthalten neben Gold weitere Legierungsbestandteile, um die Kaustabilität zu erhöhen. Eine direkte Nachbarschaft von edlen und unedlen Legierungen fördert eine verstärkte Korrosion und sollte vermieden werden. Ansonsten sind diese Legierungen sehr beständig.
  • Die Quecksilberbelastung des Organismus ist beim Einbringen und Entfernen von Amalgam am höchsten. Es kommt zu Ablagerungen vor allem in Leber, Niere und Gehirn. Die Gesamtbelastung ist abhängig von der Größe und Anzahl der Füllungen und der Art der Ernährung.  Sie ist in etwa so groß, wie die Quecksilberaufnahme durch die Nahrung und ist nach bisherigen Untersuchungen toxikologisch unbedenklich. Neuere Studien zeigen allerdings, dass Amalgam das Risiko an Alzheimer-Demenz zu erkranken erhöhen kann.
  • Kunststoffe und deren Dentinkleber können durch ihre große Anzahl an Bestandteilen vereinzelt Irritationen des Zahnnerven oder auch Allergien verursachen. Sie sind in den letzten Jahren jedoch stark verbessert worden, auch in Bezug auf die Haltbarkeit.
  • keramische Restaurationen sind gegenüber äußeren Einflüssen sehr beständig. Sie werden jedoch üblicherweise mit Kunststoffklebern eingesetzt. (mit den oben genannten Vor- und Nachteilen). Sie enthalten außerdem in (unbedenklichen) Spuren radioaktive Substanzen
  • Glasionomerzemente / Hybridglasionomerzemente / Kompomere enthalten neben Säuren auch verschiedene Ionen wie Aluminium, Strontium oder Fluorid (gegen Karies). In den Hybridglasionomerzementen und Kompomeren sind zusätzlich Kunststoffanteile mit den oben genannten möglichen Problemen enthalten. Je nach Material Sie werden als definitive Füllung Langzeitprovisorien oder bei Milchzähnen angewendet.
Wie lange halten Füllungen?

Aussagen über die Haltbarkeit einer Füllung sind nur schwer möglich, da neben der Füllungsgröße auch die Belastung, die Zahnpflege und individuelle Faktoren (z.B. Fehlbelastungen, Knirschen, Ernährung) eine Rolle spielen. Füllungen an Schneidekanten oder im Zahnhalsbereich sind stark belastet und erfordern einen guten Verbund zum Zahn.

Auch das Material spielt eine Rolle: Eine Amalgamfüllung benötigt z.B. ausreichend große Unterschnitte am Zahn, was diesen in der Substanz schwächt.  Eine Kunststofffüllung trägt demgegenüber sogar zu einer Stabilisierung des Zahnes bei. Hier kann die Präparation im Gegensatz zu Amalgam auf den kariösen Anteil im Zahn beschränkt werden.

Am längsten haltbar sind Laborgefertigte Restaurationen aus Keramik oder Goldlegierungen. Jedoch sind Preis und Aufwand deutlich höher als bei einer einfachen Füllung. Glasionomerfüllungen setzen zwar Fluorid frei, was der Entstehung neuer Karies entgegen wirkt, sind in der Haltbarkeit anderen Materialien jedoch unterlegen, so dass sie in der Regel als Langzeitprovisorium und bei Milchzähnen Anwendung finden.

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